Neugier als Talentfaktor

Viel erwartet hatte ich mir nicht von der aktuellen Ausgabe des Magazins Zeit Wissen, das an sich selbst als  intelligentes Wissenschaftsmagazin (Originalzitat – was zu der Frage führt, ob es auch unintelligente Wissenschaftsmagazine gibt) den Anspruch hat, relevante Themen aus den Bereichen Wissenschaft, Gesundheit, Technik und Leben aufzubereiten. Die headline Wie Musik uns berührt weckte doch aber trotz dieser Skepsis ein gewisses Interesse. Tatsächlich fand sich im Beitrag von Claudia Wüstenhagen mit dem Titel Erwachsene müssen sich Zeit geben zur Arbeit des Psychologen Gary Weber doch ein spannender Hinweis auf das Spannungsfeld Üben und musikalisches Talent. Weber stellt in diesem Interview die Überlegung an, dass die Bereitschaft zu einer hohen Übezeit am Instrument durchaus auch genetischer Natur sein könnte und mit der genetischen Eigenschaft für Interesse an Neuem in Zusammenhang stehen könnte. Eine spannende Aussage, die leider nicht durch dieses intelligente Wissenschaftsmagazin zur weiteren Aufbereitung einlädt, da bis auf Tipps für musikalische Späteinsteiger (deren Quelle sich leider nicht erschließt) sich keine weiteren Angaben oder Literaturempfehlungen anschließen.

Wüstenhagen, C. (2012, January 1). Lernforschung: “Erwachsene müssen sich Zeit geben.” Die Zeit. Retrieved from http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/01/Interview-Marcus
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9 Kommentare zu Neugier als Talentfaktor

  1. Ruth Ochsner sagt:

    Ich beschäftige mich zur Zeit mit Folgestudien zum „Mozarteffekt“ und in dem Zeit-Artikel geht es auch um die „Henne-Ei-Frage“, für dieses Thema in „Musik-Intelligenz-Frage“ abgewandelt. welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Musizieren und der Intelligenz? Der „Mozarteffekt“ sprach dafür, dass Musizieren und Musik hören (am besten noch KV448) intelligenter mache, also unmittelbar auch für eine Verbesserung kognitiver Eigenschaften in anderen Bereichen sorgt. Mittlerweile wurden die Ergebnisse dieser Studie widerlegt und man geht davon aus, dass hochmusikalische Menschen eben deshalb so musikalisch sind, weil sie einfach auch intelligenter sind. In diese Richtung formuliert es der Psychologe Gary Weber auch.
    Und in wie weit bessere kognitive Eigenschaften (Intelligenz) wieder mit dem Talentfaktor Neugier zu tun haben, würde mich interessieren.

  2. Veronika Vetter sagt:

    Neugier als Talentfaktor? Ich denke das ist weit her geholt, denn wer ist nicht gierig neues zu lernen, zu erfahren?! Mit der richtigen Herangehensweise (vor allem der Lehrperson) glaube ich, das jeder Mensch diese elementare und überlebenswichtige Eigenschaft auf Musik, auf das musizieren übertragen kann.

    Ich denke musikalisches Talent hat fast jeder, nur hat nicht jeder die gleichen Förderungsmöglichkeiten. Ist es denn ein Wunder das aus hochmusikalischen Familien Musiker und Komponisten hervorgehen? Inwiefern spielt es dabei eine Rolle das die Emotionen die beim musizieren entstehen und das hören von Musik bereits vor der Geburt für das Kind erfahrbar werden? Und würden solche Kinder wenn sie in einer „musikarmen“ Umgebung aufwachsen trotzdem ein Talent entwickeln?
    Angenommen ein Kind hat ein besonderes Talent z.B. für das Geige spielen, so wird es merken das es mit relativ wenig Übeaufwand besser ist als andere seines Alters, das wiederum wird es unglaublich motivieren  es übt mehr und wird dadurch besser. Insofern kann Talent natürlich dazu führen das sich die Übezeit erhöht. Aber ein Talent für Neugier und Interesse, dass ist vielleicht auch eine sehr schwammige Formulierung.

    Tipp:
    Das Buch von Werner Siefer „Das Genie in mir – warum Talent erlernbar ist“ (http://www.wernersiefer.de/) beschäftigt sich ausführlich mit den Spannungen zwischen Talent und Übeintensität. Kann jeder ein Genie werden, durch harte Arbeit?

  3. Verena sagt:

    Neugier und Interesse, neues zu lernen, sind bestimmt wichtige Faktoren wenn es darum geht, ein Instrument zu erlernen, aber nicht die einzige Motivation. Ob Talent in dieser Hinsicht genetisch veranlagt ist, ist schwer zu sagen und auch ein sehr komplexes Thema. Dass in dem Beitrag haupsächlich Tipps für erwachsene Späteinsteiger zu finden sind, ist ja schon in der Überschrift „Erwachsene müssen sich Zeit geben“ angedeutet. In welchem Zusammenhang dies zum anderen Thema, Üben und Talent, steht, verstehe ich nicht ganz.

  4. Anna Welte sagt:

    Als erstes fällt mir auf, wie sehr der Psychologie-Professor Gary Marcus seine eigenen Fähigkeiten lobt (z.B. kann er Gitarre spielen – doch was genau meint er damit? Ein paar Akkorde zu spielen oder auch ganze Konzerte?; zusätzlich hat er auch ein gutes Gespür fürs Komponieren und zu guter Letzt ist er noch einen Halbmarathon auf dem Einrad gefahren). Bei der Definition der Frage „Was ist Talent?“ fixiert er sich sehr auf das Gehör, speziell das absolute Gehör. Fast scheint es so, als könne man kein guter Musiker sein, wenn man es nicht besitzt. Dennoch haben z.B. viele Sänger kein absolutes Gehör und sind trotzdem gut, was auch an der anatomischen Struktur des Stimmorgans und dem Übeverhalten liegen kann.
    Der These, dass Erwachsene sich beim Erlernen/Üben eines Instruments schwerer tun, stimme ich zu. Sie denken kritischer über das, was man ihnen beibringen will.
    Faszinierend finde ich zudem, dass Begabung mit den Genen zusammenhängt.

  5. Petra sagt:

    Mich hat der Artikel eher irritiert als zufrieden gestellt. Was will die Autorin bzw. Professor Gary Marcus eigentlich damit aussagen? Geht es um die Motivation auch mit 40 noch ein Instrument zu lernen, oder geht es darum Erwachsene und Kinder beim Erlernen eines Instruments in einen ständig Vergleich zu stellen? Es ist bei uns im Lande keine Besonderheit, dass auch Erwachsene weit über den 40ern Unterricht in Musikschulen nehmen, dies tun sie aus den unterschiedlichsten Gründen. Weshalb muss ein Vergleich zum Lernverhalten und dem Lernerfolg von Kindern gezogen werden? Und wieso ist es nicht möglich eine korrekte Rechtschreibung von einem öffentlichen Artikel zu erwarten? Meiner Meinung nach stimmen Titel und Inhalt des Artikels nicht wirklich überein…

  6. Primus Schwendinger sagt:

    Ich bin durchaus davon überzeugt, das Neugier für das erlernen eines Instrumentes sehr wichtig ist, dennoch glaube ich nicht das Neugier ein Talent ist welches in unseren Genen steckt, viel mehr ist Neugier wie eine Flamme, die von einem guten Pädagogen entzündet werden muss. Denn wer einmal neues entdeckt, der will immer mehr entdecken. Darüber hinaus denke ich auch, dass es nur sehr wenige völlig unmusikalische Menschen gibt.

  7. Jan Szlendak sagt:

    Ich glaube, dass es auf jeden fall leichter ist, ein Instrument zu lernen, wenn man jung ist. Auch bin ich der Meinung, dass es nicht viele Menschen gibt, die vollkommen unmusikalisch sind. Es gibt nur Menschen, die mehr dafür arbeiten müssen als andere, um Fortschritte zu machen. Das ist der Punkt, an dem sich Talent zeigt. Neugier ist sicherlich ein Faktor davon, denn wer nicht neugierig ist, der will auch nicht dazu lernen, das heißt besser werden.
    Ich finde die Aussagen von Gary Weber teilweise sehr fragwürdig, z.B. die Antwort auf die Frage wie viel man üben müsse um „gut“ zu werden: „Mindestens 3 mal die Woche 45 Minuten.“ Das ist für Leute, die ernsthaft ein Instrument lernen wollen zu wenig, für jemanden der nur ein paar Lieder aus dem Radio spielen möchte genug. „Gut sein“ muss also immer relativ gesehen werden, je nachdem, wie groß der Anspruch des Lernenden ist.

  8. Rebecca Sirikow sagt:

    Das Thema, welche Faktoren dazu beitragen, wie schnell man ein Musikinstrument lernt und in wie fern hier Talent, Erziehung und die Natur eines Menschen eine Rolle spielen, hat mich schon immer interessiert.
    Dass es beim Erlernen von musikalischen Fähigkeiten auf die Natur und Erziehung des Menschen ankommt und dass Menschen, die mehr Übung haben auch besser spielen, war mir schon immer klar. Auch beobachtete ich ebenfalls oft, dass manche Leute, die z.B. erst seit 10 Jahren spielen, besser sind als andere die schon seit 20 Jahre spielen und dass man mit Talent schneller musikalische Fähigkeiten erwirbt als ohne. Dass man vieles durch Üben kompensieren kann, war mir auch klar.
    Aber dass es zum Beispiel genetisch bedingt ist, wie sensibel das Gehörsystem auf Töne reagiert, war mir neu. Ich habe mich immer gefragt, warum manche in Gehörbildung einfach nicht nachkommen, egal wie sehr sie sich anstrengen. Bis zu einem gewissen Grad merkte ich, dass man sich vieles aneignen konnte, aber eben nicht alles.
    Es erklärt nun auch warum Leuten, die zum Beispiel in frühen Lebensjahren bereits Ballett machen, Rhythmen und Rhythmusdiktate nicht sonderlich schwer fallen und warum sie, was dies angeht, sehr schnell lernen (Balance und Rhythmusgefühl werden von derselben Hirnregion reguliert…).
    Die Erkenntnisse von G. Marcus sind sehr hilfreich in Bezug auf die persönliche Hinterfragung und die Auswirkung gewisser Faktoren auf das eigene musikalische Können.

  9. Christian K. sagt:

    Ich stimme zu 100% der von Weber aufgestellten Überlegung zu. Die Bereitschaft, viel Übeaufwand in das Erlernen eines Instruments zu stecken, hat sicher etwas mit der gentisch bedingten allgemeinen Interesse an Neuem zu tun.
    Das kann ich alleine schon bei meinem privaten Umfeld beobachten, wo jeder sehr unterschiedliche Interessen zeigt. Der dafür eingesetzte Aufwand für die jeweilige Sache ist aber sicher bei allen entsprechend ähnlich.
    Von daher bin ich überzeugt, dass jeder Mensch mit einem großen Interesse an Neuem geboren wird. Man muss aber eben seine „Bestimmung“ erst mal finden.

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